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Perlen der Architekturgeschichte

Singapur ist zurecht berühmt für seine einzigartige Skyline. Dabei wird gerne übersehen, dass der Stadtstaat auch einige Bauikonen aus der Vergangenheit birgt. Besonders die Art-déco-Fassaden lassen die Herzen der Architekturfans höher schlagen.

Capitol Theatre

Inspiriert vom berühmten Roxy Theatre in New York

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Mit dem Musicalfilm „Rio Rita“ eröffnete das Capitol Theatre hinter der St.-Andrew‘s-Kathedrale am 22. Mai 1930 seine Pforten und zog mit Shows und Kinofilmen in den folgenden Jahrzehnten ein unterhaltungsbegeistertes Publikum an. Inspiriert vom berühmten Roxy Theatre in New York, war schon der üppig dekorierte Kinosaal eine Attraktion. Stars wie Charlie Chaplin oder Ava Gardner kamen an der Stamford Road vorbei, um ihre neuesten Filme zu promoten. Doch 1998 war Schluss und das Gebäude mit der markanten Art-déco-Fassade verfiel zusehends.
Bis es 2014 als Teil des Capitol-Singapore-Komplexes zu neuem Leben erweckt wurde. Heute wird der aufwendig renovierte Bau wieder regelmäßig für Events genutzt.

Die Wohnsiedlung von Tiong Bahru

Art-déco-Stil

Als die Stadt aus allen Nähten platzte, war günstiger Wohnraum dringend gesucht. So entstanden ab den Dreißigerjahren diverse Wohnsiedlungen, darunter auch in Tiong Bahru. Zwischen 1936 und 1941 vom Singapore Improvement Trust (SIT) erbaut, gelangen die Wohnblöcke besonders schön, denn sie wurden im späten Art-déco-Stil errichtet. Im Gegensatz zu früheren Versionen von Art déco dominieren in Tiong Bahru einfache, funktionale Linien, was an den geschwungenen Formen, abgerundeten Ecken und ovalen Balkonen gut zu sehen ist. Das kommt auch heute gut an. Die Wohnungen zählen zu den begehrtesten von Singapur, die Fassaden sind eine Touristenattraktion.

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The Cathay

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Nur die Fassade steht noch. Wie ein Mahnmal, das an die wechselvolle Geschichte des Gebäudes erinnert – und an ein paar Superlative: Als der Komplex 1939 an der Handy Road als „Cathay Cinema and Flats“ eröffnete, war es Teil des mit 83,51 m ersten Wolkenkratzer der Stadt und barg den ersten klimatisierten Kinosaal. Ins Cathay ging, wer sehen und gesehen werden wollte, denn im vierten Stock gab es ein Tanzlokal und zwei Bars. Während der japanischen Besatzung diente das Cathay als TV-Station der Propagandasender, 1945 als Hauptquartier der Alliierten. Ab den 1950er-Jahren waren Hotel und Nachtclub untergebracht, dann erlebte das Gebäude mehrere Umbauten. Bis 1999 nur noch die Art-déco-Front übrig blieb und Teil eines gewaltigen Cineplexes wurde. Jetzt stehen wieder Veränderungen an: Demnächst wird eine Shoppingmall einziehen.

Architekturgeschichte
Kapitel 1 : Perlen der Architekturgeschichte
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